Eric Cheah vor der Kulisse des Hotels Marina Bay Sands in Singapur. Sein Credo: "Man muss die lokalen Marktverhältnisse akzeptieren."
Stefen Chow

Türöffner in Fernost

Er arbeitet häufig abends und holt sich seinen Schlaf oft im Flieger: Eric Cheah baut von Singapur aus das Immobilienportfolio von Union Investment im asiatisch-pazifischen Raum auf.

Heimat ist für Eric Cheah ein Begriff, mit dem er nicht sehr viel anfangen kann. Geboren wurde er in Malaysia. Als er ein Jahr alt war, zogen seine Eltern mit ihm und seinem älteren Bruder nach Australien. Er fühlt sich zwar als Australier und er besitzt einen australischen Pass. Doch sein Wohnsitz ist Singapur. Von dort aus steuert er das Immobilientransaktionsgeschäft von Union Investment für den asiatisch-pazifischen Raum. Sich selbst bezeichnet der Investmentmanager mit mehr als 20 Jahren Erfahrung im Immobiliensektor als „kulturellen Hybriden“. Weil er als Kind und Jugendlicher durch asiatische und internationale Einflüsse geprägt wurde. Und weil er heute jeden Tag mit Menschen aus unterschiedlichen Kultur- und Sprachräumen zusammentrifft. „Für meinen Job ist diese Mischung geradezu ideal“, sagt Cheah.


Wohl wissend, dass seine zahlreichen Geschäftspartner viele verschiedene Immobilienmärkte, Marktzyklen, Steuer­systeme und Rechtsräume repräsentieren, mit denen auch er sich bei Immobilienankäufen auseinandersetzen muss. Doch genau diese Vielfalt macht für den Dealmaker den Reiz seiner Arbeit aus. „In meinem Geschäft braucht man starke kommunikative Fähigkeiten. Das ist wichtig, damit man schnell Vertrauen aufbauen kann“, sagt Cheah. Dass der 46-Jährige sprachlich „nur“ aus dem angelsächsischen Fundus schöpft, scheint seinem Akquisitionserfolg in der Region keinerlei Abbruch zu tun. Das von ihm aufgebaute Portfolio umfasst neben Objekten in Singapur Liegenschaften in Japan, Malaysia und Austra­lien. Darunter befinden sich Büroimmobilien ebenso wie Wohngebäude­ und Einzelhandelsobjekte.


Risiken minimieren

Den Sprung auf den fünften Kontinent im Jahr 2014 hat er, der erst Ende 2013 zum Unternehmen kam, an maßgeblicher Stelle mit vorbereitet. Für Union Investment war es ein wichtiger Schritt, für den ­Neuling im Konzern eine erste Bewährungsprobe. Und die hat er mit Bravour bestanden. Bei dem ersten Investment in Down Under handelt es sich um eine Projektentwicklung in Brisbane. Für 200 Millionen australische Dollar sicherte sich Union Investment das im Bau befindliche Büro- und ­Geschäftshaus Southpoint in der South Bank von Brisbane. Das 27.900 Quadratmeter große Multi-Tenant-Gebäude der Kategorie ­Grade A wird Mitte 2016 seinen Nutzern übergeben und ist schon heute vollständig vermietet. Hauptnutzer des Büroteils ist die Flight Centre Travel Group, die in dem Gebäude ihren neuen internationalen Hauptsitz etabliert hat. Für 30 Prozent der 4.300 Quadratmeter ­Einzelhandelsfläche hat sich der Discounter Woolworth entschieden. Komfortabel aus Sicht der international erfahrenen Union Investment sind die vergleichsweise langen Laufzeiten der Mietverträge: Der größte australische Reiseveranstalter unterschrieb einen Vertrag über zehn Jahre, Handelsmieter Woolworth verpflichtete sich gar für 20 Jahre. Im asiatisch-pazifischen Raum keinesfalls die Regel, wie Cheah hervorhebt. Und nennt als Gegenbeispiel Japan, wo sich Büromieter üblicherweise „nur“ für zwei bis drei Jahre an eine Fläche binden. 


Karriere

Eric Cheah absolvierte eine profunde immobilienwirtschaftliche Ausbildung am Royal Melbourne Institute of Technology und an der Melbourne Business School. Nach verschiedenen Karrierestationen, unter anderem beim Bauunternehmen Fletcher Construction und dem Immobilienunternehmen Pacific Star Group, ist er seit Ende 2013 bei Union Investment als Head of Investment ­Management für den asiatisch-pazifischen Raum zuständig.

Wie geht man als Langfrist-Investor mit solchen Ländertraditionen um? Wie definiert man da „Core“? „Man muss die lokalen Marktverhältnisse akzeptieren und Risiken auf Länderbasis minimieren“, stellt der Investmentprofi klar. Bei einem aktuellen Investment-Universum in Asien-Pazifik von immerhin sieben verschiedenen Märkten in fünf Ländern keine Kleinigkeit. Doch Cheah ist es gewohnt, in Teams und mit Partnern zu arbeiten, lokal versierte Rechtsanwälte, Steuerexperten und technische Berater in Entscheidungsprozesse einzubinden. „Bei allem, was wir tun, geht es auch darum, kalkulierte Risiken einzugehen. Das Ziel ist immer, die beste Lösung für die Anleger zu finden“, sagt Cheah, der aus einer Wirtschaftsprüferfamilie stammt und vielleicht auch darum Disziplin, strukturiertes Denken und Nervenstärke als Kern­tugenden seines täglichen Schaffens bezeichnet. „Die Verantwortung ist groß. Gefühle muss man aus Entscheidungen ganz heraushalten.“


Für allzu viele Emotionen wäre auch gar keine Zeit bei der Taktzahl, die Cheah in seiner Marktregion ­vorlegt. Kaum 16 Monate nach dem Markteintritt in Australien hat sich Union Investment eine erste Büro­immobilie in Sydney gesichert. Für 120 Millionen australische Dollar ging das Objekt 155 Clarence Street in das Portfolio des Offenen Immobilien-Publikumsfonds UniImmo: Global über. Damit setzen die Hamburger den Kurs fort, den sie sich für ihre Immobilienfonds vorgenommen haben: Diese werden internationaler, jünger und diversifizierter. Anders als bei dem Projektankauf in Brisbane fiel die Wahl in Sydney auf eine historische Bestandsimmobilie. Das 1938 als Lagerhaus errichtete Gebäude wurde 2015 vollständig renoviert und umfasst rund 12.000 Quadratmeter Bürofläche der Kategorie Grade A sowie weitere 530 Quadratmeter Einzelhandelsfläche. Cheah machte das zwölfgeschossige Multi-Tenant-Gebäude mit Dachterrasse und historischer Art-déco-Fassade in enger Zusammenarbeit mit Eureka Funds Management ausfindig.


In Sydney erwarb Union Investment das historische, im Jahr 1938 als Lagerhaus errichtete Gebäude 155 Clarence Street.
Peter Bennetts / Union Investment

Die Lage könnte besser kaum sein: Die zweite Down-Under-Immobilie von Union Investment befindet sich im Teilmarkt Western Corridor und damit im Geschäftszentrum von Sydney. „Wir sind ein Core-Investor und daher ausschließlich auf reife Märkte fokussiert“, erläutert Cheah die Ankaufskriterien. „Das sind im asiatisch-pazifischen Raum nach unserer Auffassung vor allem japanische und australische Metropolen. Bei der Standortsuche in diesen beiden Ländern konzentrieren wir uns vorwiegend auf Central Business Districts“, sagt der Profi. Die Erwartungen des deutschen Headquarters an seine Marktexpertise sind groß. Doch mit dem Druck kann ein ­kühler Kopf wie Cheah gut umgehen. Als Dealmaker ist er zwar per definitionem zum Machen verdammt. Aber nicht zu jedem Preis. Die Marktvernunft setzt der Union Investment-Manager klar über den persönlichen Track Record. „Manchmal ist der beste Deal der, den man nicht gemacht hat“, sagt Cheah, der schon mit Mitte 40 die Gelassenheit eines ­alten Hasen hat. Er weiß, was er kann. Und auch der Markt weiß es. So ist es gewiss kein Zufall, dass ihm keineswegs ein Headhunter den Weg zu Union Investment geebnet hat, sondern eine direkte ­Empfehlung an Martin Brühl, Investmentchef International und Mitglied der Geschäftsführung der Union Investment Real Estate GmbH, an den Cheah direkt berichtet. In enger Abstimmung arbeiten beide am selben Ziel: den Anteil an Immobilien in der asiatisch-pazifischen Region in den kommenden Jahren schrittweise zu erhöhen. Zwar weisen die Märkte wegen ihrer Einbettung in lokale Strukturen unterschiedliche Rendite-Risiko-Profile­ auf.


Doch genau das ist gewollt. Es geht vor allem darum, eine breitere Streuung der Investmentrisiken zu erreichen, indem man in unterschiedliche Märkte investiert, die möglichst unabhängig voneinander sind. Daher streckt der perfekt vor Ort verdrahtete Mann längst in alle Richtungen seine Fühler aus. So prüft er unter anderem die Ankäufe möglicher Bestandsobjekte in den australischen Großstädten Sydney, Melbourne, Brisbane und Perth. Ein- bis zweimal im Monat ist Cheah für drei bis fünf Tage in verschiedenen Regionen und Zeitzonen unterwegs. Viel Zeit für die Familie – sein zweijähriger Sohn hat gerade einen kleinen Bruder bekommen – bleibt ihm dabei nicht. „Facetime hilft“, sagt Cheah, der für sein Leben gern unterwegs ist und eigentlich einmal Architekt werden wollte. Als ausgebildeter Immobilienprojektmanager kann er nun für einen Großinvestor boomende Metropolen bereisen – eine ideale Verbindung zwischen der Liebe zum Reisen und der Leidenschaft für Gebäude.


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