Jan von Mallinckrodt, Head of Sustainability bei der Union Investment Real Estate GmbH
Union Investment / Adele Marschner

Es geht nur gemeinsam

Rund 40 Mitglieder umfasst die Brancheninitiative ESG Circle of Real Estate, kurz ECORE, bereits wenige Monate nach ihrer Gründung. Gemeinsames Ziel ist die Etablierung eines belastbaren und marktfähigen Branchenstandards zur Messung der Nachhaltigkeitsperformance von Immobilien und Portfolios.

Spätestens seit dem Pariser Klimaschutzabkommen und der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung im Jahr 2015 dürfte jedem klar sein: Es ist keine Frage mehr, ob, sondern nur noch wie Nachhaltigkeit beziehungsweise Klimaschutz in der Immobilienbranche umgesetzt wird. Das Thema steht inzwischen ganz oben auf der politischen Agenda der Europäischen Union und der einzelnen Länder – daran hat auch die Corona-Pandemie nichts geändert. Die Immobilienbranche muss sich auf eine zunehmende Regulierung einstellen.


Konkreter Fahrplan für die Erreichung der Klimaschutzziele

Das neue ECORE-Scoringmodell gibt dabei eine wichtige Hilfestellung. Es berücksichtigt bereits die Definition der nachhaltigen Finanzanlage (Taxonomie) des Action Plan on Sustainable Finance der EU, die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens und wird fortlaufend mit den neuen Instrumenten der EU aktualisiert. Analysiert werden die Objekte anhand von drei Clustern: Governance, Verbräuche und Emissionen sowie Asset Check. Auf einer Punkteskala von 0 bis 100 können Mieter, Eigentümer und Anleger dann auf einen Blick erkennen, zu wie viel Prozent eine Immobilie oder ein Portfolio die Klimaziele und die sogenannten ESG-Kriterien erfüllt. Das Modell liefert zudem einen konkreten Fahrplan, mit welchen Maßnahmen die ESG-Ziele erreicht werden können. Und es macht die Immobilien und Portfolios vergleichbar – auch über verschiedene Anbieter hinweg. Darum steht das Scoringmodell auch nicht in Konkurrenz zu den Green-Building-Zertifikaten. Diese haben durchaus ihre Berechtigung, beispielsweise in der Planungs- und Bauphase. Sie unterscheiden sich jedoch stark und sind nicht miteinander vergleichbar, was für die Beurteilung der Nachhaltigkeit eines Portfolios problematisch ist. Zudem bilden sie den Klimapfad der Objekte in der Regel nicht ab.


Adäquater Aufwand, viel Nutzen

Die inhaltliche Erarbeitung des Scoringmodells ist abgeschlossen und die Pilotphase bereits gestartet: Mehr als 500 Objekte aus den weltweiten Immobilienportfolios der Mitglieder werden im ersten Jahr unter die Lupe genommen. Mitte 2021 werden die Erkenntnisse aus der Pilotierung aufgenommen und das Scoring für den breiten Markt freigegeben. Geplant ist zudem ein Benchmarking über mehrere Länder und Assetklassen. Es geht allerdings nur gemeinsam. Ein Branchenstandard lebt von der Zahl der Mitmacher. Darum sollen in diesem Jahr auf jeden Fall noch weitere Teilnehmer gewonnen werden, auch wenn die kritische Größe für Deutschland bereits erreicht ist. Damit möglichst viele Marktteilnehmer den neuen Branchenstandard anwenden können und der Aufwand nicht zu groß wird, wurde nicht alles aus dem 2019 von Union Investment entwickelten „atmosphere“-Scoring, der Basis für den neuen ECORE-Branchenstandard, übernommen. Schließlich führt Union Investment bereits seit über zehn Jahren einen Sustainable Investment Check der Objekte durch und hat dadurch bereits sehr viele Informationen gesammelt. Der Asset Check im ECORE-Modell ist darum nicht ganz so detailliert. Was zählt, ist schließlich der Schritt in die richtige Richtung, und der sollte für alle machbar sein.


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