Getty Images

Risiko-Vorsorge

Die aktuelle Investitionsklimastudie von Union Investment zeigt: Investoren legen ihre Sicherheitsorientierung weiter ab. Es werden Strategien entwickelt, um auf neue Risiken vorbereitet zu sein und Marktchancen zu nutzen

Sechs Jahre nach Beginn der Euro-Krise fassen internationale Immobilieninvestoren wieder Mut: Sie wagen Investments auch außerhalb der großen europäischen Metropolen, sie schließen die Märkte in den südlichen Peripherieländern nicht mehr von vornherein aus, und sie machen wieder mehr großvolumige Deals. Laut Jones Lang LaSalle stieg das Immobilientransaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2014 um mehr als ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in Südeuropa sogar um gut 50 Prozent. Die Suche nach alternativen Anlagestrategien dürfte von dauerhafter Natur sein. Wie die aktuelle Investitionsklimastudie von Union Investment zeigt, beginnen immer mehr europäische Immobilieninvestoren aufgrund des hohen Preisniveaus und der verbesserten Marktperspektiven ihre Coreplus-Strategien umzusetzen. Insbesondere zeigen die Investoren in allen drei Befragungsregionen – Deutschland, Frankreich und Großbritannien – eine hohe Bereitschaft, bei Objektkäufen kürzere Mietvertragslaufzeiten zu akzeptieren, sich an Projektentwicklungen zu beteiligen und bei Projektkäufen höhere Abstriche bei der Vorvermietung hinzunehmen.


Sekundärstädte als Beimischung

Für die nächsten zwölf Monate sehen die Investitionsplanungen bei immerhin jedem zweiten Unternehmen vor, den Portfolios stärker Objekte in Sekundärstädten beizumischen. Dabei sehen die Investoren vor allem in den vertrauten Heimatmärkten gute Rahmenbedingungen, um sich auch in die zweiten Lagen vorzuwagen. In eine übergreifende B-Stadt-Strategie beziehen die Investoren neben den drei großen europäischen Volumenmärkten jedoch nur Schweden, Spanien und die Niederlande in nennenswertem Maß ein. Das nach Europa drängende Kapital hat nicht nur zur Folge, dass die europäischen Akteure zunehmend bereit sind, wieder mehr Risiken auf sich zu nehmen. Rendite ist nach Jahren der Sicherheitsorientierung, speziell in Frankreich, heute wieder für knapp 60 Prozent der befragten Investoren das zentrale Anlagemotiv. Auch hat die hohe Nachfrage nach dem knappen Gut Immobilie dazu geführt, dass sich Bestandshalter neue Verkaufsstrategien zurechtlegen. Marktchancen ausnutzen, um Portfolios zu bereinigen, Megaimmobilien loszuschlagen oder Gewinne mitzunehmen, ist für viele Investoren (68 Prozent) das Gebot der kommenden zwölf Monate. Auch wenn ein nachhaltiger Zinsanstieg noch keine Schatten auf die europäischen Immobilienmärkte vorauswirft, lassen die Investoren die damit verbundenen potenziellen Risiken nicht außer Acht. So wird dem Risikomanagement – dem Messen, Erfassen, Steuern und Überwachen von unterschiedlichen Risikofaktoren – in diesem Zusammenhang allgemein mehr Beachtung geschenkt (56 Prozent). Neben der Vorbereitung von Verkaufsportfolios (41 Prozent) und verstärkten Investitionen in den eigenen Immobilienbestand (40 Prozent) lässt sich bei den Investoren im Verlauf der letzten zwölf Monate auch eine aktivere Risikosteuerung des gesamten Immobilienportfolios (56 Prozent) feststellen. Wie die Studie zeigt, gehört bereits für 43 Prozent der Investoren die Durchführung von Stresstests zum Repertoire, um mögliche Auswirkungen der Zinswende auf das Portfolio oder den Fonds zu analysieren. 


Mehr als jedes zweite befragte Unternehmen hat zudem seine Maßnahmen zur Sicherung der Mieterträge verstärkt. Die optimistische Stimmung auf den europäischen Investmentmärkten spiegelt sich auch in den Erwartungen der Investoren an die eigene wirtschaftliche Entwicklung wider. So schätzen 65 Prozent der Investoren ihre wirtschaftliche Lage besser ein als im Vorjahr; für die nächsten zwölf Monate rechnet eine ebensolche klare Mehrheit mit einem deutlichen Aufwärtstrend für das eigene Geschäft. Die nationalen Indizes, die das Investitionsklima in den drei Ländern abbilden, liegen nach Jahren der Divergenz wieder auf vergleichbarem Niveau – insbesondere die Stimmung unter den französischen Investoren hat sich im Verlauf der letzten sechs Monate spürbar aufgehellt.


Drucken

Mehr zu diesen Themen: