Reinhard Kutscher ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Union Investment Real Estate GmbH.
Union Investment/Adele Marschner

Eine Frage der 360-Grad-Perspektive

Reinhard Kutscher zu den Personalanforderungen internationaler Immobilienmanager

Vorausschauend handeln ist unser Schlüssel zum Erfolg. Ganz egal, welches Aufgabengebiet wir unter die Lupe nehmen. Doch keine andere Entscheidung reicht weiter als die der Personalauswahl. Nur Menschen machen eine Strategie erfolgreich, treiben eine Idee voran und wachsen über sich hinaus – oder eben nicht. Profundes Fachwissen im Immobilienkapitalmarkt verbunden mit quantitativ-analytischen Fähigkeiten sind für Immobilien-Asset- und Immobilien-Investment-Manager zweifellos eine solide Basis. Auch kommunikative Fähigkeiten und das Beherrschen mehrerer Sprachen sollten vorhanden sein. Aber weil sich das Immobiliengeschäft rasant verändert, lautet die ­Frage nicht mehr „Was kann ein Bewerber oder Mitarbeiter?“, sondern vor allem „Was wird er können?“. Und sozusagen als Kehrseite der Medaille: „Wie muss sich ein Unternehmen aufstellen, um solche Mitarbeiter künftig zu gewinnen und zu halten?“ Denn der Wettbewerb um Talente hat gerade erst begonnen.


Immobilien-Asset- und Immobilien-Investment-Manager müssen sich auf umwälzende Technologien einstellen, die alte Märkte radikal verändern, neue Märkte erschaffen oder bestehende Märkte zerstören. Da kann sich eine heute makellose Mieter­bonität plötzlich in nichts auflösen. Veränderte Wettbewerbssituationen durch urbane Nachverdichtung gilt es richtig einzuschätzen ebenso wie bahnbrechende Neuerungen wie beispielsweise im 3-D-Druck. Andere Spannungsfelder sind die Hotelbranche und Airbnb oder der stationäre Einzelhandel und Onlineshopping, die ein Immobilienmanager im digitalen Zeitalter vorausschauend im Auge behalten muss, samt deren Auswirkungen auf seine ­Mieter und Objekte.


Dass sich das Berufsbild mit den disruptiven Technologien grundlegend verändern würde, ist indes ein Mythos. Immobilien herzustellen bleibt kapitalintensiv und angebotsunelastisch. Der Immobilienmarkt ist Zyklen unterworfen und anfällig für exogene Schocks. In diesem Umfeld bewegt sich der Immobilienmanager und schafft Mehrwert für Eigentümer und Nutzer. Dass er dies mit neuen, digitalen Möglichkeiten erreicht, ist eine normale ­Weiterentwicklung der Profession – und zwangsläufig verändern sich hierbei auch Geschäftsmodelle.


Eigenständiges Denken und lebenslanges Lernen

Erfolgreich werden Unternehmen sein, wenn sie es schaffen, die „Skills“ der jüngeren Mitarbeiter mit der längeren – am besten über mehrere Immobilienmarktzyklen reichenden – Lebens- und Berufserfahrung der älteren Kollegen, die oft in den Führungsetagen­ angekommen sind, synergetisch zu kombinieren. Für junge Talente­ der Generation Y, die mit Internet, Tablet und Smartphone groß wurden, sind daher neue Programme gefragt. Interne Vorträge, Ideen-Workshops und Hospitationen unterstützen etwa den Austausch von Experten- und Erfahrungswissen. Auch müssen interdisziplinäre Kenntnisse und Leadership-Fähigkeiten gefördert werden.­ Gerade weil wir die gesamte Wertschöpfungskette des Immobiliengeschäfts abdecken, werden professionelles Management und integrierte Prozesse wichtiger. Mitarbeiter mit einer 360-Grad-Perspektive, die die steigende Komplexität im globalen Immobilienbusiness meistern, liegen vorn. Quantitative und digitale­ Fähigkeiten sind hier gefragt, verbunden mit der Notwendigkeit, fundamentale Daten und Gegebenheiten kritisch zu hinterfragen.


Entscheidend sind das eigenständige Denken und das ­lebenslange Lernen mit und an der Immobilie. Das kann bereits im Rahmen des Studiums beginnen, zum Beispiel in Studiengängen, die technische und betriebswirtschaftliche Fähigkeiten kombinieren und die wir als Unternehmen gezielt fördern. Und das geht berufsbegleitend weiter, beispielsweise in der unternehmenseigenen Akademie, die intern von Fachkräften für Nachwuchskräfte betrieben wird. Unsere führende Marktposition ­unter den deutschen Anbietern von Immobilien-Publikumsfonds, die Transaktionsverlässlichkeit und die Schlagkraft in mehr als zwei Dutzend Ländermärkten in der Welt strahlt positiv auf den ­Arbeitsmarkt. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass wir auf allen Ebenen gut aufgestellt sind. Unser Wachstumskurs muss durch kompetente, aufgeschlossene und motivierte Mitarbeiter weiter unterfüttert werden, und daran arbeiten wir.


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