Marc Lauterfeld kennt sich in London bestens aus. In der britischen Hauptstadt hat er nicht nur seinen Master of Laws (LLM) erworben, hier trifft er auch wichtige Geschäftspartner von Union Investment. Zu seinen Lieblingsplätzen gehört die Millennium Bridge, die als Fußgängerbrücke über die Themse führt und einen schönen Blick auf die City of London und die St.-Pauls-Kathedrale bietet.
Ulrike Leyens

Arbeitsbeziehungen rund um den Globus

Die juristische Beratung des Immobilienbereiches von Union Investment liegt in den Händen eines erfahrenen Juristenteams. Die Abteilung Immobilienrecht und ihr weltweites Kanzleinetzwerk bilden eine schlagkräftige Einheit für das operative Geschäft. Dafür setzt sich Marc Lauterfeld ein.

Vorausschauend beraten und lösungsorientiert gestalten, das sind die beruflichen Leidenschaften von Marc Lauterfeld. Der international erfahrene Rechtsanwalt ist seit vier Jahren Abteilungsleiter Immobilienrecht bei Union Investment in Hamburg und führt ein Team von 17 Mitarbeitern, darunter 16 Volljuristinnen und Volljuristen, allein sieben mit Promotion. „Wir begreifen uns als interne Anwälte, nicht als juristische Sachbearbeiter. Die Abteilung ist wie eine Kanzlei aufgestellt, aufgeteilt in die zwei Gruppen Investment und Asset Management / Regulatorik mit der Besonderheit der globalen Zuständigkeit“, sagt der Rechtsanwalt.


Beim Besuch im Hamburger Emporio wird schnell klar, wie viel Raum das juristische Expertenteam einnimmt – auch im übertragenen Sinne. Denn in nahezu allen Prozessen des Immobilienbereiches ist die Expertise der internen Juristen gefragt. Entsprechend viele Schnittstellen gibt es. „Schauen wir uns allein die Prozesse im Investment Management und Asset Management an. Bei Vorhaben bildet sich von der ersten Minute an ein Team aus den diversen Fachbereichen und ein Immobilienjurist gehört immer mit dazu. Da wir sowohl mit dem wirtschaftlichen Hintergrund als auch mit den Bedürfnissen anderer Fachabteilungen vertraut sind, können wir gesamthaft beraten“, erklärt Marc Lauterfeld und ergänzt: „Rechtssicherheit ist gerade für einen Treuhänder wie Union Investment extrem wichtig.“


Gebündeltes Expertenwissen

Der gebürtige Südwestfale, der nach einem dreijährigen Hongkong-Einsatz als CFO und COO einer Tochtergesellschaft die Leitung der juristischen Abteilung in Hamburg übernahm, legt großen Wert auf feste Zuständigkeiten. Dies erweise sich als vorteilhaft für die Bündelung von Expertise sowie den Teamspirit im Haus. Und es unterstütze auch die Kooperation mit den externen Rechtsberatern. „Da verlässliche Arbeitsbeziehungen so wichtig sind, haben wir den Austausch mit unseren Schnittstellen verstetigt, damit im teils hektischen Tagesgeschäft ein Rad verlässlich in das andere greifen kann. Dass dies so gut gelingt, ist vor allem auch der Verdienst der beiden Gruppenleiter“, sagt Lauterfeld anerkennend.


Das Aufgabenspektrum der Anwälte ist ebenso groß wie spannend. Der Abteilungsleiter zählt die wichtigsten auf: „Transaktionen, Rechtsfragen im Bestand, erneuerbare Energien, Finanzierungen, Gesellschaftsrecht und als Klammer über dem Ganzen das Aufsichtsrecht.“ So beraten die internen Rechtsanwälte unter anderem im Mietrecht, wickeln teilweise selbst Immobilienverkäufe ab und stellen die investmentrechtliche Compliance weltweit sicher. „Während Kanzleien im Ausland für ihre lokale Expertise im Immobilienrecht mandatiert werden“, so Lauterfeld, „ist ihnen eine Beratung im deutschen Investmentrecht naturgemäß nicht möglich. Diese Perspektive nehmen immer wir ein.“ Ziel sei es, stets den objektiven Rechtsrat zu geben. „Dies zeigt sich auch darin, dass wir beispielsweise bei einem Ankauf immer auch die Haltephase und einen späteren Exit mit im Blick haben.“


James Knox (links), Head of International Real Estate and Infrastructure bei der Kanzlei Berwin Leighton Paisner, ist einer seiner Gesprächspartner für den Panel Review UK.
Ulrike Leyens

Marc Lauterfeld gelingt es mit Leichtigkeit, das abstrakte Metier überaus sympathisch und abwechslungsreich vorzustellen. Viele Aspekte sind ihm wichtig, so wie dieser: „Bei Transaktionen im Ausland verhandeln wir neben dem Investmentmanager und dem lokalen Anwalt die Verträge. So können wir nicht nur aufsichtsrechtliche Restriktionen erläutern, sondern auch unsere Erfahrung aus jährlich 50 bis 60 Immobilientransaktionen einbringen.“ Ebenso im Asset Management: „Ob Vermietung oder Bauprojekt – die Haltephase decken wir juristisch vollständig ab, teils selbst, teils in Kooperation mit unseren weltweiten Bestandskanzleien.“ Ein Fall sei kaum wie der andere und sein erfahrenes Team suche stets nach einer juristisch und wirtschaftlich optimalen Lösung. Anspruchsvoll gestalte sich auch die Auswahl der externen Kanzleien in den aktuell 23 Ländermärkten. „Immobilienrechtliche Beratung ist People’s Business“, so Lauterfeld. „Wir orientieren uns nicht an der Marke einer Kanzlei, sondern an der individuellen Expertise, der jeweiligen Erreichbarkeit und vor allem der persönlichen Erfahrung eines konkreten Teams.“ Bis man sich aneinander gewöhnt habe, dauere es meist eine Weile. „Ein enges Monitoring und zeitnahes Feedback sind hier entscheidend“, sagt Lauterfeld.


Damit ist eine wichtige Aufgabe der Abteilung angesprochen: die Qualitätssicherung und Steuerung der Partnerkanzleien im In- und Ausland. Beides gehe Hand in Hand mit dem Prinzip bei Union Investment, mit dem externen Pendant stets auf Augenhöhe zu sprechen. Das führe nicht zuletzt zu Kostenvorteilen, sei aber auch enorm komplex. „Die internen Anwälte müssen regelmäßig mehrere Bälle gleichzeitig in der Luft halten und in der Lage sein, zwischen verschiedenen Themen und Jurisdiktionen in der nötigen Tiefe zu springen“, betont Lauterfeld. Nicht von ungefähr hätten die Inhouse Counsels bei Union Investment regelmäßig mehr als fünf Jahre Berufserfahrung, bevor sie ins Team kommen. Steuerung auf Augenhöhe setze eine hohe Seniorität voraus. „Meine Kolleginnen und Kollegen bringen das alle in beeindruckender Weise mit. Und dies wird auch so wahrgenommen, intern wie extern.“


Karriere

Marc Lauterfeld studierte nach einer Bankausbildung Rechtswissenschaft in Bonn und Lausanne, machte seinen LLM in London und den MBA in Berlin, New York und Mailand. Er ist unter anderem Mitbegründer und Sprecher des Netzwerks Immobilienwirtschaft der Altstipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung. Mehr als 16 Jahre internationale Erfahrung in der Finanz- und Immobilienbranche. 2003 Eintritt bei Union Investment. Unter anderem fünf Jahre Vorstandsassistent in der Holding in Frankfurt am Main, drei Jahre CFO und COO von BEA Union Investment in Hongkong, seit 2013 Leiter der Abteilung Immobilienrecht und seit 2017 auch kommissarisch der Abteilung Tax Management.

Globale Rechtsberatung

Wenn Marc Lauterfeld im Sommer dieses Jahres nach London reist, stehen für beide Gruppen seiner Abteilung die Panel Reviews für Großbritannien an. Lauterfeld nennt einige Kriterien der regelmäßigen Überprüfungen: „Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis noch, waren die Ergebnisse sowohl juristisch überzeugend als auch von gutem wirtschaftlichen Verständnis geprägt, wie ist der Eindruck aus den Verhandlungen, wie gut die Erreichbarkeit und, nicht unwichtig, stimmt die Chemie mit den Investmentmanagern?“ In Lauterfelds Gesprächen geht es aber auch um eine aktuelle Londoner Transaktion und natürlich den Brexit. Vorausschauende Rechtsberatung sei das Gebot der Stunde, so der Jurist. Union Investment hat schon vor einem Jahr eine interdisziplinäre Taskforce eingerichtet, zu der auch Marc Lauterfeld gehört. „Noch ist unklar, welchen Brexit es geben wird: hard, soft oder vielleicht sogar ‚scrambled‘.“


Und das Nein der Briten zur EU ist auch schon einmal mit einem Nein von Union Investment quittiert worden. Lauterfeld berichtet von einem Londoner Deal, der am Ende keiner war: „Ein geplantes Investment war bereits endverhandelt, aber wir hatten eine Öffnungsklausel eingebaut. Im Falle des Brexit wollten wir uns von dem Vertrag wieder lösen können, und zwar ohne Haftungsrisiken für die Anleger.“ Und so kam es dann auch, weil kaum abzuschätzen war, ob sich das eher spekulative Investment dauerhaft rechnen würde. „Objekte mit langfristigen Mietverträgen bonitätsstarker Mieter werden aber weiterhin selektiv geprüft“, betont Lauterfeld. „Gerade erst konnten wir uns in einem Bieterverfahren für das langfristig vermietete Bauprojekt Copyright Building im Londoner West End durchsetzen.“ Wie groß die Kraft der rechtlichen Gestaltung sein kann, zeigt auch ein Blick in die USA. Gemeinsam mit den Investmentmanagern hat sein Team jüngst Pionierarbeit geleistet, denn anders als in Deutschland war der Pachtvertrag dort nicht üblich. Dazu Lauterfeld: „In der Hotellerie sind Managementverträge der internationale Standard. Das wirtschaftliche Betreiberrisiko liegt dann auch beim Eigentümer der Hotel-immobilie. Das investmentrechtlich abgesicherte Produktversprechen Offener Immobilienfonds ist jedoch die Immobilienrendite – und diese resultiert nun mal aus einem Pachtvertrag. Um diese speziellen Anforderungen sicherzustellen, mussten wir quasi einen eigenen Marktstandard in den USA setzen.“ Dass seither weitere US-Hotels angekauft wurden, zeigt, dass dies gut gelungen ist. „Und auf einmal hat man einen im Markt viel beachteten Track Record.“


Mit James Goldsmith (links), Director Central London Markets bei Savills, diskutiert Marc Lauterfeld die möglichen 
Auswirkungen des Brexit für den Londoner Objektbestand und künftige Immobilieninvestitionen.
Ulrike Leyens

Eine bemerkenswerte Referenzliste gibt es auch für Portfolioverkäufe. Vor allem die Pegasus-Transaktion aus dem Jahr 2008 machte Union Investment dafür bekannt, komplexe Immobilienpakete abwickeln zu können. Als erster paneuropäischer Paketverkauf setzte das Aqua-Portfolio im Jahr 2015 neue Maßstäbe. „Acht Jurisdiktionen und alle möglichen Rechtstraditionen wurden für 17 Objekte unter einen Hut gebracht“, berichtet Lauterfeld. Zum Einsatz seien auch intelligente Tools gekommen, die es möglich machten, Dokumente und Verträge teilweise automatisch auszuwerten. „Die Digitalisierung bietet riesige Chancen für uns“, ist Marc Lauterfeld überzeugt. „Aqua war insofern ein wichtiger, aber definitiv nur erster Schritt.“


Traumjob in Hamburg

Auch sonst ist Marc Lauterfeld immer offen für neue Impulse, wie ein Blick auf seine Vita zeigt. Ob im Rahmen seines zivilgesellschaftlichen Engagements, durch eine Fortbildung zum Mediator oder beim Erlernen der chinesischen Sprache und Kickbox-Training in Hongkong – der 46-jährige Jurist setzt viele spannende und abwechslungsreiche Akzente. Mit Union Investment gibt es aber auch eine große Konstante in seinem beruflichen Leben. Warum er 2003 ins Unternehmen kam, liegt für Lauterfeld auf der Hand: „Ausschlaggebend waren das partnerschaftliche Miteinander und der deutlich spürbare Teamspirit. Anders als zum Beispiel in einer Kanzlei hatte ich zudem von Anfang an die Möglichkeit, Dinge selbst aktiv zu gestalten, und immer neue Aufgaben. Sehr spannend finde ich vor allem die zuletzt hinzugetretene Verantwortung für das Tax Management mit zwölf tollen neuen Kolleginnen und Kollegen. Eine sehr bereichernde und fruchtbare Zusammenarbeit.“ Nicht zuletzt sei für ihn auch die gesellschaftlich wichtige Funktion des Geschäftsmodells von Union Investment von großer Bedeutung. Seine aktuelle Position sieht Lauterfeld geradezu als Traumjob: „Besonders schätze ich, dass ich die fachliche Perspektive mit der Managementseite verbinden kann – und das in einem durch und durch internationalen Umfeld.“


Auch sein privates Glück hat der Klavier- und Golfspieler längst gefunden: „Während meiner Zeit in China habe ich meine Frau kennengelernt.“ Marc Lauterfeld lebt mit der Hongkong-Chinesin, einer ambitionierten Künstlerin, in der Hamburger Hafencity: „Von Wasser umgeben zu sein, ist für uns nicht nur ‚typisch Hamburg’, sondern auch der Brückenschlag zu unserer gemeinsamen Zeit in Hongkong. Wir haben uns dort auf einem Bootsausflug kennengelernt.“


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