Jan von Mallinckrodt ist Head of Sustainability bei der Union Investment Real Estate GmbH. Außerdem ist er Vorsitzender des Immobilienbeirates der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).
Union Investment/Adele Marschner

Klimaschutz strategisch umsetzen

Jan von Mallinckrodt über sich lohnenden Klimaschutz im Immobiliensektor

Es muss noch viel getan werden, um die Klimaschutzziele zu erreichen – bereits die schnelle Google-Recherche in Sachen Klimaschutz zeigt: Die aktuellen Schlagzeilen sind wenig schmeichelhaft für ein Land wie Deutschland, das wie 179 andere das Pariser Klimaabkommen von 2015 ratifiziert hat. Zur Erinnerung: Es sieht vor, die globale Erwärmung auf deutlich weniger als zwei Grad Celsius gegenüber dem Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. Wie das realisiert werden kann, hat die Bundesregierung in ihrem Klimaschutzplan skizziert. Bis 2050 sollen die Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 vermindert werden. Damit geht auch eine entsprechende Umsetzung und Einsparung im Immobiliensektor einher. Was bedeutet, dass zu diesem Zeitpunkt nahezu alle unsere Gebäude klimaneutral beheizt, gekühlt und mit Strom versorgt wären. Gleichzeitig sollen die Endenergieverbräuche von Immobilien gesenkt werden. Laut Klimaschutzplan muss der Verbrauch bis 2050 um 50 Prozent gesenkt werden. Doch schon das erste Etappenziel auf diesem Weg ist anscheinend gefährdet. Laut dem aktuellen Klimaschutzbericht der Bundesregierung gingen die Treibhausgasemissionen bis Ende 2017 erst um 28 Prozent zurück. Und ob die Lücke bis zum angestrebten Wert von 40 Prozent bis 2020 geschlossen werden kann, gilt als fraglich. Auch für die Immobilienwirtschaft ein Grund mehr, die Hände nicht in den Schoß zu legen. Sie muss nicht nur auf dem eingeschlagenen Kurs bleiben, sondern auch das Tempo erhöhen. Was aber heißt das konkret? Und wen müssen wir ins Boot holen?


Schon vor mehr als zehn Jahren hat Union Investment als einer der Pioniere im Immobilienbereich Nachhaltigkeitsstandards in die Geschäftsstrategie integriert – etwa durch einen eigens ins Leben gerufenen Sustainable Investment Check oder grüne Mietverträge, die gemeinsam mit dem ZIA und Marktteilnehmern entwickelt wurden. Der Lernprozess, den wir dabei durchlaufen haben, ermöglicht es uns jetzt, die nächsten, sehr konkreten Schritte in eine nachhaltige Zukunft zu gehen.


So haben wir uns vorgenommen, ein eigenes CO2-Einsparziel für den Zeithorizont 2030 zu formulieren. Wichtige Vorarbeiten sind abgeschlossen: Zusammen mit der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz haben wir eine erste Indikation entwickelt, die uns zeigt,  wo wir mit einzelnen Immobilien und dem Portfolio stehen und wann genau wir aktiv werden müssen, um klimaschutzplankonform zu sein. Eine wichtige Maßnahme wird die Einführung von Energiemonitoring sein: Es wird uns perspektivisch alle erforderlichen Daten zu den Energieverbräuchen im gesamten Immobilienportfolio liefern. Seit 2009 werden die Verbrauchsdaten dokumentiert. Aktuell auf jährlicher Basis. Mit dem Energiemonitoring werden wir in kürzeren Abständen (und systemunterstützt automatisch) detailliertere Informationen erhalten, sodass wir kurzfristig Optimierungen ableiten und umsetzen können. Die erfolgreiche Erreichung der Klimaschutzziele bedarf aber noch viel mehr. Es braucht Partner und eine klare Umsetzungsstrategie. Bei uns heißt diese „Manage to green“. Es geht darum, Nachhaltigkeitspotenziale in Gebäuden zu identifizieren und mithilfe von jeweils objektbezogenen Asset-Management-Strategien zu realisieren. Investoren und Mieter, so unsere Überzeugung, werden dies honorieren: institutionelle Kunden, weil sich die von ihnen geforderte Transparenz im Bereich des nachhaltigen Investierens deutlich steigern und sich damit dessen Wirkung besser quantifizieren lässt und ebenfalls das Risikomanagement optimiert wird. Mieter, weil nachhaltige Gebäude Kostenvorteile und höheren Komfort bieten – nicht zuletzt dank neuer Ideen technologieorientierter Start-ups. Das macht Hoffnung, allen Schlagzeilen zum Trotz. Denn wir sind überzeugt: Klimaschutz im Immobiliensektor ist machbar – und lohnt sich.


Mit besten Grüßen
Jan von Mallinckrodt


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